• MAY 2018
  • Lecture

    100 Jahre Avantgarde

    von Margarete Vöhringer
    In Kooperation mit der Liechtensteinischen Kunstgesellschaft.

    Nach der Oktoberrevoution 1917 war nichts mehr beim Alten. Eine neue Gesellschaftsform – der Sozialismus – sollte entstehen. Alle Bereiche des Lebens wurden umstrukturiert. Eines der radikalsten Ziele war der «Neue Mensch». Auf die Künstler der Russischen Avantgarde übte die Idee des Neuen grosse Faszination aus, sodass gerade sie sich auch praktisch am gesellschaftlichen Umbau beteiligten. Dabei entwickelten sie einige der zentralen Merkmale moderner Kunst, die bis in die Gegenwartskunst weiterwirken, wie die Abwendung von Tradition und Akademismus, Originalität, Abstraktion, Technikeuphorie, Herabwertung des Originals und das Verschwinden des Autors. Einzigartigerweise begaben sie sich aber nicht in die politische Opposition, sondern ins Zentrum der Macht. Wo stehen die Künste heute?

    Margarete Vöhringer ist seit 2017 Professorin für Materialität des Wissens an der Georg-August- Universität Göttingen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Künste (v. a. zeitgenössische und moderne) im wissensgeschichtlichen Horizont sowie Materialität und Ästhetik der Wissenschaften. Autorin u. a. von Avantgarde und Psychotechnik. Wissenschaft, Kunst und Technik der Wahrnehmungsexperimente in der frühen Sowjetunion (Göttingen 2007).