Kunstwerk des Monats Juli

Karl-Heinz Ströhle, Ohne Titel, 1997

Karl-Heinz Ströhle
* 1957 in Bregenz, † 2016 in Bregenz, Österreich
Ohne Titel, 1997
Öl auf Büttenpapier
60 x 44,5 cm
Contemporary Art Foundation / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz

Im Werk Ohne Titel (1997) von Karl-Heinz Ströhle bilden schwarze Farbstreifen auf einer eierschalenfarben grundierten Fläche eine vertikal strukturierte Abfolge. Die Differenz dieser kontrastreichen Sequenz entsteht durch ein Wechselspiel zwischen geometrisch gezogenen Linien und einem Ausfransen der schwarzen Farbe in das helle Trägermaterial. So findet sich in den repetitiven Streifen neben der präzisen geradlinigen Strenge auch ein sanftes Ineinanderfliessen durchdringender Gegenseitigkeit. Dabei konstituiert sich in diesem optischen Gefüge die konträre Farbgebung als gleichwertige Grösse. Schwarz und Weiss – dunkel und hell – treten immer wieder abwechselnd hervor, lösen sich gegenseitig ab und bringen die grundsätzlich geometrisch orientierte Ordnung in eine vordringliche Schwingung. Oder wie es der Künstler selbst ausdrückt: «Wo die Bewegung im Bild auch dessen Grenzen thematisiert.»

Ströhles reduzierte Formensprache, der sparsame Einsatz künstlerischer Mittel sowie die Linie in ihren verschiedensten Ausprägungen sind grundlegende Aspekte in seinem Werk: «Was auf alle Fälle stimmt, ist, dass mein Werk, ob es nun Malerei oder Skulpturen sind, sehr stark von einem zeichnerischen, grafischen Moment geprägt ist. Das würde ich grundlegend als durchgehenden roten Faden meiner Arbeit benennen.» Dabei arbeitet der in Bregenz 1957 geborene und 2016 überraschend verstorbene Künstler jedoch nicht vorrangig im zweidimensionalen Raum. Er war Zeichner, Maler, Performance-, Objekt- und Medienkünstler und hat gerade in Vorarlberg zahlreiche Kunstprojekte im öffentlichen Bereich realisiert. So entfaltet sich Ströhles Werk von der Zweidimensionalität ins Relief und weiter in den (bewegten) Raum.

Als vorrangiges Material dient Karl-Heinz Ströhle hierbei vor allem Federstahl, der für gewöhnlich in der Verpackungsindustrie Einsatz findet. Mit diesem entwickelt er seine «amorphen» Gebilde, welche sich als Linien in den Raum «zeichnen». Die durch einen Impuls in Bewegung zu bringenden Skulpturen resonieren mit ihrem Zwischenraum und treten dergestalt in Kontakt mit ihrem Gegenüber.

Denise Rigaud
<b>Karl-Heinz Ströhle, Ohne Titel, 1997</b>
Das Kunstmuseum Liechtenstein stellt jeden Monat ein Werk aus der eigenen Sammlung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Auch werden regelmässig Werke aus der Sammlung der Hilti Art Foundation auf diese Weise vorgestellt.