Die Ausstellung umfasst Malerei, Grafik, Fotografie und Plastik von insgesamt 21 Künstlerinnen und Künstlern.

Sie präsentiert Körper, Geste und Raum in einem zweifachen Sinn: einerseits abbildhaft, etwa als menschliche Gestalt, als Bewegung einer Hand oder als natürliche Landschaft; andererseits konkret, etwa als dreidimensionales Bildobjekt, als erkennbar physische Aktion am Bildmaterial oder als realen Bildraum.

Die Darstellung des menschlichen Körpers ist zugleich eine Darstellung menschlicher Gesten. Wo immer gezielte Gesten und Gebärden in Malerei oder Skulptur in Erscheinung treten, dienen sie nicht nur der non-verbalen Kommunikation. Sie verbinden darüber hinaus den Körper, sofern er nicht formelhaft in die Fläche gebannt ist, aktiv und organisch mit dem Raum und ermöglichen dessen perspektivische Wahrnehmung.

Die abbildende Darstellung der sichtbaren Welt erfährt seit Ende des 19. Jahrhunderts, also mit dem Beginn der klassischen Moderne, aufgrund neuer Ausdrucksbedürfnisse eine wesentliche Veränderung. Expressionismus, Kubismus oder Futurismus geben Körper und Raum nicht mehr illusionistisch wieder, sondern unter dem Eindruck einer durch Wissenschaft und Technik radikal veränderten Welt nurmehr in stilisierter sowie in zeichen- oder formelhafter Weise. Gänzlich getilgt ist die Abbildhaftigkeit in der abstrakten und konstruktiven Kunst. Dabei lässt sich eine zunehmende Konkretisierung der künstlerischen Gestaltungsmittel erkennen, d.h. die Emanzipation des Materials und der Farbe von ihrer abbildenden und somit dienenden Funktion.

Seit den 1950er-Jahren führt der Prozess der Konkretisierung und Emanzipierung der Gestaltungsmittel im Zuge einer grundsätzlichen Befragung sowohl der Wirklichkeit als auch der traditionellen Kunstgattungen zu völlig neuen Werkformen. So stellen etwa Bilder Körper nicht dar, sondern sind selbst plastische «Körper» und verschmelzen mit der Farbe zu organischer Einheit. Gesten wiederum ereignen sich nicht «erzählerisch» im, sondern physisch am Bild und vergegenwärtigen in ihrer Expressivität dessen materielle Existenz. Und Raum wird real, wo die Fläche eines Bildes durch den Schnitt eines Messers geöffnet und damit zugleich die Voraussetzung für die illusionistische Darstellung eines perspektivischen Tiefenraums mit Pinsel und Farbe zerstört wird.

Gezeigt werden u.a. Werke von Umberto Boccioni, Lucio Fontana, Gotthard Graubner, Ferdinand Hodler, Leiko Ikemura, Callum Innes und Thomas Struth.

Die Ausstellung wird kuratiert von Uwe Wieczorek, Kurator der Hilti Art Foundation.

 

Weitere Bilder zu dieser Ausstellung

  • Körper – Geste – Raum
    Ausstellungsansicht, Foto: Stefan Altenburger, Zürich © Kunstmuseum Liechtenstein / Hilti Art Foundation
  • Körper – Geste – Raum
    Ausstellungsansicht, Foto: Stefan Altenburger, Zürich © Kunstmuseum Liechtenstein / Hilti Art Foundation
  • Körper – Geste – Raum
    Ausstellungsansicht, Foto: Stefan Altenburger, Zürich © Kunstmuseum Liechtenstein / Hilti Art Foundation
  • Körper – Geste – Raum
    Ausstellungsansicht, Foto: Stefan Altenburger, Zürich © Kunstmuseum Liechtenstein / Hilti Art Foundation
  • Körper – Geste – Raum
    Ausstellungsansicht, Foto: Stefan Altenburger, Zürich © Kunstmuseum Liechtenstein / Hilti Art Foundation
  • Öffentliche Führungen
  • Do, 2.12.2021
    18.00