Kunstwerk des Monats Mai

Claus Bury, Stufenschichtung, 1996

Claus Bury

* 1946 in Meerholz/Gelnhausen (DE), lives in Frankfurt (DE)


Stufenschichtung, 1996


Andeer Granit

300 x 310 x 50 cm

Erworben mit Mitteln der Lampadia Stiftung, Vaduz

Bezugnehmend auf den landschaftlichen Gartenraum des Bildungshauses Stein Egerta in Schaan entwarf Claus Bury die das Prinzip der Treppe aufnehmende Skulptur Stufenschichtung. Diese besteht aus grün-schimmernden Andeer Granit, ein Gestein, das im Kanton Graubünden am Rande der Gemeinde Andeer abgebaut und verarbeitet wird. Als Ort für die Skulptur wählte der Künstler den Abhang gegenüber der grossen Freitreppe im Park des Bildungshauses und stellte auf diese Weise der architektonischen Setzung eine skulpturale gegenüber. Doch im Gegensatz zur architektonischen Gestalt, die – dem Zweck dieser Form immanent – unterschiedlich hoch liegende Ebenen miteinander verbindet, verläuft die skulpturale Stufenschichtung zweckentbunden und blind endend in den Himmel und tritt dadurch als Verschiebung unserer alltäglichen Orientierung hervor. In der näheren Betrachtung fällt zudem die einem strukturalen System verpflichtete Konzeption der Arbeit auf. Stufe für Stufe werden die Graniteinschnitte der Skulptur vergrössert und dementsprechend die Masse hier ansteigend verringert. Schritt für Schritt wird gleichermassen die horizontale Gesteinsschichtung erweitert.

Claus Burys architektonische Skulpturen sind meist nach den Gesetzen der mini- malistischen Reihung oder grundsätzlich als ein strukturales System entworfen. Dabei bezieht sich der Künstler häufig auf historische Harmonieregeln, wie etwa auf die von Leonardo Fibonacci oder dem Architekten Le Corbusier. Letzterer entwickelte zwischen 1942 und 1955 ein universelles Masssystem, den Modular. Ein System, welches – ausgehend vom Goldenen Schnitt und den Proportionen des menschlichen Körpers – der Architektur als ein am Menschen orientiertes Mass dienen sollte. Und so zeigt sich auf analoge Weise auch die Skulptur Stufenschichtung proportional am menschlichen Mass ausgerichtet. Dies lässt sich sowohl als Prinzip in den zeichnerischen Entwürfen zu seinem ausgeführten Werk nachvollziehen, als auch als sinnliche Raum-Körper- Interaktion vor dem Kunstwerk erfahren.

Denise Rigaud

<b>Claus Bury, Stufenschichtung, 1996</b>
Das Kunstmuseum Liechtenstein stellt jeden Monat ein Werk aus der eigenen Sammlung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Auch werden regelmässig Werke aus der Sammlung der Hilti Art Foundation auf diese Weise vorgestellt.