Kunstwerk des Monats September

Hanns Kunitzberger, 1. Hälfte 2017 später, 2017, Hilti Art Foundation

Hanns Kunitzberger

* 1955 in Salzburg, lebt und arbeitet in Berlin


1. Hälfte 2017 später, 2017


Öl auf Molino
225 × 150 × 4 cm
Hilti Art Foundation, Schaan

 

Nach einer Diplomarbeit über Bühnenbild und Szenografie am Mozarteum, der ehema- ligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Salzburg, studierte Hanns Kunitz- berger Theater- und Filmregie und widmete sich ab 1980 vermehrt der Malerei, die er gut zehn Jahre später zu seiner beruflichen Haupttätigkeit machte.

Kunitzbergers Interesse an der Malerei äussert sich in einer feinsinnigen Hinwendung zur Farbe, die er nicht an natürliche oder abstrakte Formen bindet, sondern frei und ganz um ihrer selbst willen als Farbkontinuum, als atmosphärisches «Sfumato» räumlich in Erscheinung treten lässt. Einen punktuellen Ort im Bild vermag das Auge daher nicht zu finden, denn die Farbe ist zwar mit dem Pinsel, doch ohne inszenierten Duktus matt und in randlosen Verläufen aufgetragen. Erst bei Nahsicht wird ihre stoffliche Qualität wie auch die des Leinens oder der Baumwolle als ihrem Träger erkennbar. Allein die Bildkanten setzen dem Kontinuum der Farbe eine Grenze. Sofern sich der Farbgehalt zur Mitte des Bildes hin verdichtet oder intensiviert, wie dies in zahlreichen Werken des Malers der Fall ist, verwandeln sich diese gleichsam in einen imaginären «Bühnenraum».

Kunitzberger malt aus der Tiefe des Bildgrundes, legt pigmentierte Öllasuren Schicht für Schicht übereinander. Zwar tritt die Farbe räumlich, ja geradezu schwebend in Erschei- nung, doch wirkt sie infolge ihrer meist auf die Mitte bezogenen Verdichtung nicht expan- siv über die Bildkanten hinaus. Vielmehr zieht sie den schauenden Blick in die Tiefe des Bühnenraumes hinein und nimmt ihn umhüllend in sich auf. Ohnehin eignet allen Farben, ob warmer oder kalter, ob heller oder dunkler Natur, eine stille Zurückhaltung sowie ein sanft gebundenes inneres Licht. Kunitzbergers Werke laden zur Kontemplation ein und verweisen im Ausloten des Sichtbaren zugleich auf das Unsichtbare.

Uwe Wieczorek

 

«Das Sichtbare ist nie der Gegenstand selbst, sondern immer nur seine Grenze.»

Hanns Kunitzberger

<b>Hanns Kunitzberger, 1. Hälfte 2017 später, 2017, Hilti Art Foundation</b>
Das Kunstmuseum Liechtenstein stellt jeden Monat ein Werk aus der eigenen Sammlung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Auch werden regelmässig Werke aus der Sammlung der Hilti Art Foundation auf diese Weise vorgestellt.